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 CCC fordert zum Boykott der Musikindustrie auf

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Autor Nachricht
Ferenc
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Alter: 49
Anmeldungsdatum: 09.05.2003
Beiträge: 907
Wohnort: Wien


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BeitragVerfasst am: 31/3/2004    CCC fordert zum Boykott der Musikindustrie auf Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
DE: Industry kills Music



Nicht das private Kopieren von MP3 und OGG Dateien schadet Kuenstlern, sondern eine dekadente Musikindustrie, die den Absprung ins IT-Zeitalter nicht geschafft hat, daher immer lauter noch dem Staat und Repression schreit und Kunst nicht als Kulturgut sondern als Ware sieht. Nun wird gegen P2P-Nutzer auch in Deutschland geklagt. Und nicht etwa, weil die Umsaetze sinken, sondern weil man den Hals nicht voll genug bekommt. Nach der ersten Klagewelle ruft der CCC nun zum Boykott auf.





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CCC fordert zum Boykott der Musikindustrie auf



Nach der Klage der IFPI gegen einzelne Tauschbörsennutzer fordert der Chaos

Computer Club zum Boykott der von der IFPI vertretenen Musikverlage auf.

Die Branche solle nicht den Nutzern die Schuld geben, wenn sie selber den

Beginn des Informationszeitalters verschlafen und es versäumt hat, ihr

Geschäftsmodell an die digitale Welt anzupassen.



Informationsfreiheit ist kein Verbrechen



Der CCC hält die [1] Klagen des Bundesverband Phono / der IFPI für stark

zweifelhaft. Es kann nicht sein, dass die Musikindustrie ihre Ziele dadurch

erreicht, in dem sie eine massive Panik vor immensen

Schadensersatzforderungen schürt. Solche sind in Deutschland auch gar nicht

durchsetzbar. Es geht vielmehr darum, die Nutzer von Tauschbörsen

einzuschüchtern. Dies zeigt sich auch bei der Kampagne der Gesellschaft zur

Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) [2] "Raubkopierer sind

Verbrecher". Auch hier werden bewusst juristische Falschaussagen über die

Strafbarkeit von Urheberrechtsverletzungen gestreut, um den Tauschbörsen

das Wasser abzugraben.



Das [3] Urheberrecht ist kein Naturrecht, sondern ein Ausgleich dafür, dass

der Urheber sein Werk der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. In erster

Linie ist das Urheberrecht hierbei ein Ausfluß des Persönlichkeitsrechtes.

Auch die wirtschaftlichen Verwertungsrechte werden dem Urheber zur

Sicherung seiner wirtschaftlichen Existenz verliehen. Hierbei bestehen

jedoch immanente Schranken. So darf das Werk für die private Verwendung

frei kopiert werden. Diese auch als "fair use" bezeichnete Begrenzung ist

eine Ausprägung der Informationsfreiheit und somit ein Grundrecht.



Diesen Umstand versucht die Musikindustrie durch pausenlose Kampagnen zu

unterminieren. Sie stellt die Privatkopie auf die selbe Stufe wie

Kinderschänder und Rechtsradikale. So [4] forderte der Vorstandsvorsitzende

der GEMA auf der Popkomm, nach erfolgreichen Ermittlungsmaßnahmen im

Bereich von Kinderpornographie und Nazipropaganda eine Ausweitung dieser

Maßnahmen auf Tauschbörsennutzer. So werden die Kunden auf infame Weise

verunglimpft..



Die volkswirtschaftlich eher unbedeutende Urheberrechtsindustrie will aber

noch weiter gehen. Mit der neuen [5] Richtlinie über die Maßnahmen und

Verfahren zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum des Rats der

Europäischen Union will sie das Recht erhalten, Hausdurchsuchungen ohne

richterlichen Beschluss und auch bei alltäglichen Verstössen durchzuführen.

Industriespionage und Missbrauch werden hier Tür und Tor geöffnet.



So fragt sich ein Clubmitglied zu Recht: "Soll jetzt die Bevölkerung

kriminalisiert werden, weil der Markt es nicht schafft, das Angebot für die

Nachfrage zu liefern? Gesetzliche Sicherheit gegen Marktversagen auf Kosten

der Freiheit? Wie kommt es, dass man mit Klingeltönen mehr Geld macht als

mit Musik?"



Doch weshalb sind Peer-to-Peer (P2P) Tauschbörsen so beliebt? Als einige

Argumente sind zu nennen



* Die Qualität der Musik auf dem Markt ist gesunken. Für Musik,

die nur einen noch besseren Umsatz der Musikindustrie beschert, kurze

Zeit in den Charts zu hören, aber nicht von Dauer ist, lohnt sich nicht

für teures Geld zu kaufen. In wenigen Jahren erinnert sich sowieso

niemand mehr an die damaligen Stücke.

* Der Preis für eine CD ist zu hoch. Zumindest für die hart

umworbene Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wie

Studien ergaben, kaufen sich diejenigen CDs, die auch ein Einkommen

haben, sprich die Gruppe der ab 40jährigen.

* Der CD-Kopierschutz hindert Hörer daran CDs auf aktuellen

CD-Playern abzuspielen. Selbst etliche Auto-CD-Spieler können die

gekaufte CD nicht mehr abspielen. So bleibt für viele Hörer nur der Weg

in Tauschbörsen, um sich diese CD in digitaler Form herunter zu laden

und auf eine CD zu brennen, die sich überall abspielen lässt.

* Die Auswahl in den Musikläden ist begrenzt. Für Raritäten sind

Tauschbörsen eine Fundgrube. Wer nicht in Großstädten wohnt oder die

Zeit hat, etliche Plattenläden zu besuchen, kann sich daheim sein

Lieblingsstück von vor 20 Jahren runter laden. Ohne viel Suchen.

* Tauschbörsen haben sich als ein ideales Vertriebsmittel

herausgestellt -- allein eine vernünftige Bezahlfunktion fehlt. An

der

Musikindustrie ist der Zug des Internets vorbei gefahren. Die

Musikhörer haben ihre eigenen Vertriebswege für aktuelle Technik

gefunden, die ihre Wünsche befriedigt. Währenddessen hat sich die

Musikindustrie weiter darum gekümmert ihre Pfründe zu wahren. Doch

viele Hörer sind bereit, Künstler für ihr Werk zu entlohnen. Dazu

müssen neue Wege geschaffen werden, um ihnen gerecht das Honorar

zukommen zu lassen.



Mit dem Klagen der Musikindustrie muss nun endlich Schluss sein! Der CCC

fordert deshalb auf, die Musikindustrie dort zu treffen, wo sie am

verwundbarsten ist. Entziehen wir ihnen den Umsatz! Dieser kann dann nicht

mehr dazu verwendet werden, in großen Anzeigenserien die Kunden zu

diffamieren.



Der CCC hat zu dieser Kampagne [6] Banner zur freien Verwendung erstellt.

Tauschbörsennutzer können so Ihrem Unmut Ausdruck verleihen, dass sie das

Vorgehen der Musikindustrie nicht gut heißen. Kreative Pixelschubser sendet

bitte Links zu euren Vorschlägen an [7] mail@ccc.de (keine Attachments).

Wir bitten um die Einbindung auf möglichst vielen Webseiten.



Abschließend seien auf die Worte von Dirk Bach bei der diesjährigen

Echo-Verleihung verwiesen "Und ihr wundert euch, dass es euch schlecht

geht?" [8]





References



1. http://www.ifpi.de/news/news-380.htm

2. http://www.hartabergerecht.de/index5255.html?id=9

3. http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/urhg/

4. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/copy/17060/1.html

5. http://register.consilium.eu.int/pdf/de/04/st06/st06376.de04.pdf

6. http://www.ccc.de/campaigns/music?language=de

7. mailto:mail@ccc.de

8. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,289514,00.html



Quelle:q/depesche 2004-03-31T11:30:37








Lawrence Lessig, Jura-Professor an der Stanford Law School, bietet sein aktuelles Buch "Free Culture" unter einer Creative-Commons-Lizenz kostenlos im Internet an. In seinem Buch beschreibt Lessig, wie Medienunternehmen versuchen, mit technischen und rechtlichen Massnahmen Informationen zu kontrollieren und von der Oeffentlichkeit fern zu halten. Nach Ansicht von Lessig wird Kreativitaet auf diese Weise eingeschraenkt.

http://www.free-culture.cc/freecontent/



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