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 Mündliche IT-Prüfungen von A bis Z

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Ferenc
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BeitragVerfasst am: 20/2/2004    Mündliche IT-Prüfungen von A bis Z Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
Ralf Risch

Planvoll in die Zielgerade


Mündliche IT-Prüfungen von Antrag bis Zensur

Projektpräsentation und Fachgespräch sind der krönende Abschluss einer erfolgreichen IT-Ausbildung - wenn man bereits bei der Projektauswahl die Weichen richtig gestellt hat.



Sechs Jahre nach dem Start der inzwischen nicht mehr ganz so neuen IT-Berufe häufen sich in den einschlägigen Foren [1] immer noch Fragen und Kritik auch zu den mündlichen Prüfungen. Etliche Beiträge spiegeln Unverständnis und die Sorge um fehlende Informationen wider. „Was wollen die Prüfer und die IHK denn hören?“ „Wieso soll ich dem Prüfungsausschuss eine Zielgruppe nennen? Sind das denn nicht die Prüfer?“ Nicht nur die eigentliche Prüfung mit Projektpräsentation und Fachgespräch wirft dabei viele Fragen auf, sondern auch das Abschlussprojekt selbst und dessen Dokumentation: „Wie soll man denn in der vorgegebenen Zeit etwas Sinnvolles machen?“ „Was gehört alles in die Dokumentation? Und gibt es eine bestimmte Form dafür?“



All diese Fragen sind für angehende Fachinformatiker, IT-System- und Informatikkaufleute sowie IT-System-Elektroniker gleichermaßen wichtig. Die erste für eine erfolgreiche mündliche Prüfung entscheidende Frage aber lautet: „Was für ein Projekt wähle ich?“ Davon hängt logischerweise ganz wesentlich der weitere Verlauf des praktischen Teils der Prüfung mit Dokumentation, Präsentation und Fachgespräch ab. Deshalb sollte man sich frühzeitig - möglichst noch bevor die jeweilige Industrie- und Handelskammer (IHK) einem die Aufforderung zum Stellen des Projektantrages zusendet - in Absprache mit seinem Unternehmen ein geeignetes Projekt auswählen.



Im Detail stellen sich die Fragen für jeden Auszubildenden, der vor seiner Abschlussprüfung steht, ein wenig anders, da jedes Projekt unternehmensspezifischen Anforderungen unterliegt und diese so unterschiedlich sind wie die Unternehmenslandschaft in der Bundesrepublik. Einige Grundregeln gelten aber für alle gleichermaßen.



Projektauswahl

Am Ende ihrer Ausbildung sollen die Prüflinge zeigen, dass sie eine typische Aufgabe aus dem Berufsalltag selbstständig abwickeln können. Im praktischen Teil ihrer Abschlussprüfung müssen sie deshalb ein Projekt planen, umsetzen, dokumentieren und präsentieren. Eigentlich sollte damit das Wesentliche klar sein. Trotzdem gibt es immer wieder Kandidaten, die wegen Unwissenheit oder mangelndem Verständnis schon beim ersten Schritt scheitern.



Ein besonders bemerkenswertes Negativbeispiel war der Versuch einer angehenden IT-Systemkauffrau, die „Durchführung einer Happy Hour“ als Abschlussprojekt genehmigen zu lassen. Einkaufen, dekorieren, Cocktails ausprobieren fand der für die Genehmigung zuständige Prüfungsausschuss der IHK nicht wirklich typisch für den Beruf - da half es auch nichts, dass im Antrag auch die Bereitstellung eines Laptops und Beamers sowie eine Stunde Kostenbetrachtung ausgewiesen wurde. Wie die Reaktion des Ausbildungsbetriebes auf die Ablehnung zeigt, können sich Auszubildende nicht einmal in einem Großbetrieb blind auf die Kompetenz ihrer Ausbilder verlassen. So begründeten neben der Kandidatin auch Personalleiterin und IT- Ausbildungsverantwortlicher die Wahl damit, dass man in der Verordnung über die Berufsausbildung keinen Hinweis darauf gefunden hätte, dass dieser Beruf und damit die Abschlussprüfung irgendetwas mit IT zu tun haben müsste.



Im Gegensatz zu vielen anderen Fällen kannten hier immerhin alle Beteiligten die IT-Ausbildungsverordnung [2]. Ein eingehenderer Blick in diese sowie ein Studium der allgemeinen Erklärungen und Beispiele in den Umsetzungshilfen des Bundesbildungsministeriums [3] hätte hier viel Stress ersparen können.



In § 15 der Ausbildungsverordnung werden Beispiele für in Frage kommende Projekte der einzelnen Berufe angeführt, die sich ausnahmslos auf die jeweilige Fachqualifikation beziehen. Die einleitende Formulierung „ ... hierfür kommen insbesondere in Betracht“ heißt dabei keineswegs, dass auch Projekte, die sich nicht auf die eigentliche Fachqualifikation beziehen, problemlos genehmigt werden könnten. So wird ein Projekt für einen Fachinformatiker Systemintegration, dessen größter Anteil aus Programmentwurf und Entwicklung besteht, mit großer Wahrscheinlichkeit abgelehnt werden, da es in diesem Beruf nicht zur Fachqualifikation im engeren Sinne gehört, zu programmieren, auch wenn es Teil der Kernqualifikation ist. Dagegen ist es bei den kaufmännischen IT-Berufen unumgänglich, einen Teil des Projektes für die betriebswirtschaftliche Betrachtung zu verwenden.



Projektantrag

Ist ein passendes Projekt gefunden, sollte es im Projektantrag so dargestellt werden, dass die Prüfer der IHK zunächst einen kurzen Einblick in das Projektumfeld (kurze Vorstellung des Unternehmens/Abteilung) gewinnen. Durch den Vergleich der Ist-Situation - was ist das Negative am momentanen Zustand - und der Soll-Situation - was ist das Ziel des Projektes - sollte sich ihnen Sinn und Zweck des Projektes erschließen.



Der nächste wichtige Schritt ist die Zeitplanung. Zunächst sind die einzelnen Projektphasen in ihre notwendigen Schritte aufzuschlüsseln. Die vorgegebene Zeit von maximal 35 - beziehungsweise bei den Fachinformatikern Anwendungsentwicklung maximal 70 - Stunden muss im richtigen Verhältnis auf die einzelnen Projektphasen verteilt werden. Dabei gibt man für die Dokumentationserstellung zwischen sechs und zwölf Stunden an. Dies ist eine Zeit, in der ein sehr versierter Office-User die Dokumentation ordentlich formatiert und mit den notwendigen Grafiken versehen anfertigen kann.



Dass die meisten Auszubildenden wesentlich länger brauchen, ist den Prüfern bekannt. Mit den zeitlichen Vorgaben versucht man, die Projekte in ihrem Umfang auf ein notwendiges Maß zu beschränken. Das sollte man tunlichst bereits bei der Auswahl berücksichtigen. Zeitvorgaben wie: „Implementierung eines Active Directory Service (ADS) für 300 User“ in drei Stunden sind auch für den schnellsten und versiertesten W2k-Admin unrealistisch und können zur Ablehnung des Projektes führen. Zumindest erhält man die Auflage, die Zeitplanung zu überarbeiten. Ein Projekt, das sich normalerweise in Etappen über einen längeren Zeitraum hinzieht, kann auch stundenweise auf den von der Kammer gewährten Durchführungszeitraum verteilt werden.



Zur Projektplanung und damit zum Antrag gehört auch die Angabe der praxisüblichen Unterlagen. Hier soll festgestellt werden, ob der Prüfungskandidat neben dem prozessorientierten Projektbericht (Dokumentation) auch an die für den Kunden wichtigen Unterlagen gedacht hat. Soll beispielsweise für einen Kunden - intern oder extern - eine Schnittstelle zum Datenimport programmiert werden, so gehört zum Projekt eine kurze Benutzeranweisung, die die Bedienung der Benutzerschnittstelle durch den Kunden beschreibt. Die notwendige Zeit zum Erstellen derselben fällt nicht in die 35/70 Stunden. Diese oder ein kurzer Auszug daraus findet sich dann im Anhang der Dokumentation wieder.



Auch wenn viele Kammern den Zeitraum zum Einreichen der Projektanträge großzügig bemessen, sollte man diese so schnell wie möglich abgeben. Im Genehmigungsverfahren wird durch den Ausschuss geprüft, ob es sich um ein berufsspezifisches Projekt handelt und der Antrag inhaltlich verständlich und schlüssig ist sowie den formalen Kriterien entspricht. Nur wenn jeder einzelne Punkt erfüllt ist, wird das Projekt genehmigt.



Gibt es kleinere Mängel oder hat der Ausschuss Verständnisprobleme, muss der Antrag nachgebessert werden. Lehnt der Ausschuss das Projekt komplett ab, muss ein anderes ausgewählt und der Antrag erneut gestellt werden. Eine Chance, den Abgabetermin trotzdem einzuhalten, hat dann nur derjenige, der frühzeitig eingereicht hat. Dies ist auch nützlich, wenn alles auf Anhieb klappt, denn nur wer frühzeitig das Projekt abschließt, hat genug Zeit für die Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung.



Dokumentation

Die Dokumentation zu dem durchgeführten Projekt ist, wenn man ein gewisses Grundgerüst berücksichtigt, gar nicht mehr so schwer zu erstellen. Die wichtigsten Eckpfeiler der inhaltlichen Struktur sind die Ausgangssituation, Ressourcen und Ablaufplanung, Durchführung und zuletzt das Projektergebnis mit einem sinnvollen Soll/Ist-Vergleich.



In der oben erwähnten Umsetzungshilfe gibt es auf den Seiten 67 bis 69 ein Bewertungsschema, das so oder in leicht veränderter Form (das ist von IHK zu IHK unterschiedlich) von den Prüfern zur Bewertung herangezogen wird. Benutzt man dieses Schema während der Arbeit an der Dokumentation als gedankliche Hilfe und berücksichtigt die angegebenen Kriterien, indem man sie auf seine Projektphasen projiziert, hat man einen vernünftigen Aufbau seiner Dokumentation und muss diese Punkte nur noch mit Inhalt füllen.



Zu beachten ist dabei, dass diese Dokumentation kein Erlebnis-, sondern ein prozessorientierter Projektbericht ist. Formulierungen wie „Ich berichtete von meinen Heldentaten und wurde sofort in den wohlverdienten Feierabend entlassen“ haben hier nichts verloren. Genauso wenig zu empfehlen ist die reine „Ich-Form“.



Der gewünschte Umfang der Dokumentation ist von Kammer zu Kammer unterschiedlich. Meist bewegt er sich zwischen 10 und 16 Seiten plus Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Anhang. Das Deckblatt bekommt keine Seitenzahl. Inhaltsverzeichnis und Anhang werden sinnvollerweise in römischen Ziffern, der Fließtext mit arabischen Ziffern angegeben.



Grafiken, Tabellen und Bilder lockern den Text der Dokumentation auf und sollten zur Erläuterung des Textes dienen. Auf Screenshots ohne Erklärungsbedarf („hier klicken um fortzufahren; hier klicken, um einen neuen Benutzer hinzuzufügen“) sollte man verzichten.



Ein großes Augenmerk sollte man auf Rechtschreibung und Grammatik legen. Ausschließlich auf die Rechtschreibprüfung von Textverarbeitungsprogrammen kann man sich nicht verlassen, da diese manchmal mehr schadet als nützt. Sinnvoller ist es, die Dokumentation von mehreren Personen auf Rechtschreibung, Grammatik sowie auf ihre Gesamtverständlichkeit hin überprüfen zu lassen.



Der Anhang, dessen Umfang einige Kammern ebenfalls vorgeben, sollte angemessen sein - bei einem 50-seitigen Quellcode reichen möglichst aussagekräftige Auszüge. Notwendige praxisübliche Unterlagen wie eine kurze Benutzeranweisung, ein Glossar und ein Abkürzungsverzeichnis bringt man ebenfalls am besten im Anhang unter. Abkürzungen können auch schon textbegleitend erklärt werden. Notwendig ist dies beispielsweise bei Abteilungsabkürzungen, spezifischen Produktkürzeln und Ähnlichem. Gängige IT-Begriffe wie TCP/IP oder DHCP müssen hingegen nicht mehr erklärt werden. Diese Abkürzungen sollten den Prüfern geläufig sein.



Unverzichtbar ist dagegen die Angabe von Text- und Grafikquellen entweder im Anhang oder direkt als Fußnoten auf der entsprechenden Seite sowie die Kennzeichnung nicht selbstständig erstellter Prozesse oder Projektschritte. Fehlt dies oder stellt sich heraus, dass die ganze Dokumentation von jemand anderem stammt, kann dieser Prüfungsteil bis zu einem Jahr später aberkannt und die Prüfung als nicht bestanden gewertet werden.



Weitere formale Kriterien wie die Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung oder die Anzahl der einzureichenden Dokumentationsexemplare teilt die Kammer durch die Aufforderung zum Stellen des Projektantrages mit.



Präsentationsvorbereitung

Bewertet der Prüfungsausschuss Projekt und Dokumentation mit mindestens 30 von maximal 100 Punkten, steht der mündlichen Abschlussprüfung nichts mehr im Wege. In der Präsentation sollen die fachbezogenen Probleme des Projektes, deren Lösungskonzepte sowie die Vorgehensweise im Projekt selbst in der richtigen fachlichen Sprache zielgruppengerecht dargestellt werden.



Bei der Planung der Präsentation sollte man sich passend zum Projekt eine konkrete Zielgruppe wie Kunde, Geschäftsführung oder neue Kollegen vorstellen und den Vortrag auf diese zuschneiden. Der Prüfungsausschuss soll sich dann in diese hineinversetzen und urteilen, ob die Präsentation der genannten Zielgruppe angemessen ist.



Sehr oft wird der Prüfungsausschuss als Zielgruppe gewählt. Während manche Prüfungsausschüsse das begrüßen, kann es bei anderen zu Unwägbarkeiten führen. Woher will der Prüfungskandidat wissen, über welches fachliche Wissen die einzelnen Prüfer verfügen? Gerät er an Spezialisten des Themas, welches er in seinem Projekt behandelt, kann es sein, dass das Vorgetragene zu wenig in die Tiefe geht. Der umgekehrte Fall ist natürlich ebenso denkbar. In einigen Kammern wird der Prüfungsausschuss als Zielgruppe gar nicht erst akzeptiert.



Besonders wichtig ist der „rote Faden“, der sich durch die gesamte Präsentation ziehen sollte. Für einen Vortrag vor dem Abteilungsleiter oder Projektverantwortlichen könnte das beispielsweise heißen, dass man in der Prüfung die Eckpfeiler der Dokumentation als Hauptfolien und deren Untergliederung als notwendige Ergänzung heranzieht, um die Vorgehensweise im Projekt deutlich zu machen. Begonnen werden sollte mit dem Projektumfeld, danach erfolgt die Darstellung der Ist-Situation und des Projektziels als Sollsituation. Dies erleichtert den Prüfern nochmals den Einstieg ins Projekt. Dieser Bereich sollte nicht mehr als ein Fünftel der Präsentation ausmachen. Für die Erläuterung der Projektplanung ist ebenfalls ein Fünftel anzusetzen.



Hauptaugenmerk sollte auf die Darstellung der Projektdurchführung gelegt werden. Hier sind zwei Fünftel angemessen. Das letzte Fünftel kann für die Darstellung der Übergabe an den Auftraggeber, ein abschließendes Fazit und einen eventuellen Ausblick verwendet werden. Diese Aufteilung hat zwar keine Allgemeingültigkeit, da sie immer abhängig vom jeweiligen Projekt ist, bietet aber einen ungefähren Anhaltspunkt für die Gewichtung.



Bei einem Vortrag vor Kunden oder der Geschäftsführung spielen die Details der Durchführung eher eine untergeordnete Rolle. Dafür ist bei dieser Zielgruppe die Darstellung projektrelevanter betriebswirtschaftlicher Kenngrößen unabdingbar.



Wichtig ist aber nicht nur, was vorgetragen werden soll, sondern auch wie dies geschieht. Die Angabe der geplanten Hilfsmittel wird von vielen Kammern schon auf dem Projektantrag verlangt. Eine Präsentation mit Laptop und Beamer sollte nur versuchen, wer wirklich darin geübt ist und gut mit einer Infrarotmaus umgehen kann. Allzu leicht dreht man dem Ausschuss während der gesamten Prüfungszeit den Rücken zu, um von der Wand die notwendigen Punkte abzulesen - dies gibt natürlich Abzüge. Einfacher ist es, die Präsentation über den Overhead-Projektor vorzutragen. Hier können Folien genauso gut aufbereitet wie präsentiert werden, aber der Blick bleibt auf den Prüfungsausschuss gerichtet, wenn auf der Folie etwas gezeigt werden muss. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass der Overhead-Projektor von der IHK gestellt wird, womit diese auch für dessen Funktionstüchtigkeit verantwortlich ist. In jedem Prüfungsdurchgang scheitern einige Beamer-Präsentationen wegen technischer Defekte. Vor allem im Winter gibt die gegen Temperaturunterschiede hochempfindliche Metalldampflampe leicht auf.



Da die wenigsten Prüflinge für diesen Fall Ersatzfolien dabei haben, mit denen sie auf den Overhead-Projektor umschwenken könnten, wird dieser Prüfungsteil mit sehr hohen Abzügen oder als nicht bestanden gewertet. Das Argument, dass IT-Prüfer „technikgeil“ seien, kann hier nicht gelten. Denn kleine und mittelständische Unternehmen können ihren Auszubildenden nicht immer ein Highend-Präsentationsequipment zur Verfügung stellen. Eine Präsentation mit dem Overhead-Projektor wird deswegen genauso bewertet wie eine mit Beamer.



Was zusätzlich mit Punkten bedacht wird, ist ein ausgewogener Medienmix. Es ist vorteilhaft, seine auf Flipchartpapier vorbereitete Agenda - die Gliederung der Präsentation - an der von der Kammer bereitgestellten Pinnwand aufzuhängen und bei Beginn der Präsentation darauf zu verweisen. Auch ein Handout und in einigen Fällen zusätzliches Anschauungsmaterial (zum Beispiel Accesspoint WLAN) kann positiv bewertet werden. Als Handout kann die Präsentation im Handzettelformat mit drei Folien pro Seite dienen. Darauf können die Prüfer ihre Notizen und Fragen für das Fachgespräch zu den einzelnen Folien schreiben und bei Verständnisproblemen schnell noch mal einen Blick auf die vorangegangene Folie werfen.



Die etwa 10 bis 16 Folien sollten die Präsentation lediglich unterstützen und nicht umgekehrt. Mehr als 16 Folien machen das Ganze leicht unübersichtlich und der Vortrag wirkt hektisch und unrund. Bei Aufbau und Struktur der Folien ist ein ausgewogener Mix aus Grafiken (Netzwerkpläne, Struktogrammauszüge, ER-Modelle und Ähnliches), Bildern (Fotos von Cluster-Lösungen beispielsweise) und aussagefähigen Screenshots (zum Beispiel zur ADS-Struktur) sowie Text das Maß der Dinge. Eine Präsentation, die nur aus Textfolien oder nur aus Bildern/Grafiken (im schlimmsten Fall aus nichtssagenden Screenshots) besteht, führt unweigerlich zu Abzügen. Auch durch übereinander gelegte Folien kann man ein entsprechendes Szenario entwickeln. Farben und Masterfolie sollten dem Corporate Design des Unternehmens entsprechen - vorausgesetzt, die Farben sind kräftig genug, um auch bei lichtschwächeren Overhead-Projektoren und nicht ganz weißen Wänden für eine gute Darstellung zu sorgen.



Die mündliche Prüfung

Einen Tag vor der Prüfung sollte man alle notwendigen Medien noch einmal kontrollieren und die passende Kleidung auswählen, um am Prüfungstag jede unnötige Hektik zu vermeiden. Die Startzeit am Prüfungstag sollte man sicherheitshalber so planen, dass man eine halbe Stunde vor dem angesetzten Termin am angegebenen Raum ankommt. Kommt der Prüfungskandidat zu spät und der Ausschuss hat keine Möglichkeit nach hinten zu schieben, wird die Prüfung als nicht angetreten und damit als nicht bestanden gewertet. Man verliert dadurch ein halbes Jahr, da man erst zum nächsten Prüfungsdurchgang erneut geladen wird.



Zu Beginn der Prüfung steht jedem eine Rüstzeit im Prüfungsraum von zehn bis 15 Minuten zu. Diese Zeit sollte man nutzen, um die Präsentationsmedien günstig zu platzieren, eventuell vorhandenes Handout und Anschauungsmaterial auszuteilen sowie den Personalausweis, die Einladung zur Prüfung und das Berichtsheft (entfällt bei Umschülern) dem Prüfungsausschuss zu übergeben. Nach der Vorstellung des Prüfungsausschusses und einer Belehrung beginnt die Präsentation.



Eine kurze Begrüßung des Ausschusses, die Vorstellung der eigenen Person und des Themas leiten die eigentliche Präsentation von 15 Minuten ein. Wer die Zeit nicht einhält, riskiert einen Punktabzug von zehn Prozent. Die erlaubte Über- oder Unterschreitung dieser Zeit differiert zwischen einer und drei Minuten. Wenn sich Informationen hierzu nicht in der Einladung zur mündlichen Prüfung finden, sollte man sicherheitshalber bei der zuständigen IHK nachfragen.



Mehrmals üben hilft bei der korrekten Einschätzung der benötigten Zeit. Während der Präsentation sollte man eine Uhr gut sichtbar platzieren. Verwendet man als Moderationsmittel Handkarten, auf denen die wichtigsten Stichpunkte zu den Folien stehen, hilft es, sich die Zeit für die einzelnen Folienwechsel oben in der Ecke zu notieren.



Bei einigen Kammern wird der Kandidat zwischen Präsentation und dem ebenfalls fünfzehnminütigen Fachgespräch aus dem Raum gebeten. Die drei Prüfer bewerten die Präsentation und teilen die Fragen des Fachgesprächs untereinander auf. Bei anderen Kammern schließt das Fachgespräch direkt an die Präsentation an. Die Fragen sollten sich hauptsächlich auf das Projekt beziehen. Es können aber auch Fragen zur Kernqualifikation, zu Wirtschafts- und Sozialkunde und zu Themen wie Arbeitssicherheit und Ergonomierichtlinien sowie bei den IT-Systemelektronikern aus dem Bereich der Elektrofachkraft gestellt werden. Auch dies ist von IHK zu IHK unterschiedlich.



Überall gleichermaßen sehr wichtig ist es, dass ein Prüfling Begriffe, die in der Dokumentation und Präsentation verwendet werden, erklären und deren Umfeld erläutern kann. Bei Verständnisproblemen ist es natürlich erlaubt, den Prüfer um die Wiederholung der Frage zu bitten. Einige Fragen können auch grafisch am Flipchart beantwortet werden. Hiermit kann man auch etwas Zeit für das Strukturieren der Antwort gewinnen. Grundsätzlich gilt: alle Antworten kurz überdenken und gut formuliert vortragen. Ein schnell und wahllos herausgeplappertes Satzwirrwarr nützt niemandem.



Im Anschluss an das Fachgespräch bewerten die Prüfer dieses und legen die Gesamtnote des mündlichen Prüfungsteils fest. Wie schon bei der Dokumentation werden die Bewertungsschemata der „Umsetzungshilfen für die neue Prüfungsstruktur der IT-Berufe“ (Seite 71-73) direkt oder in einer von der jeweiligen IHK abgeänderten Form genutzt.



Danach erhält der Prüfungsteilnehmer einen Durchschlag der Prüfungsniederschrift - ein Blick darauf offenbart lediglich, ob die Abschlussprüfung insgesamt bestanden ist oder nicht. Die endgültige Bekanntgabe der Noten erfolgt durch die Zusendung des Prüfungszeugnisses (gem. § 34 des Berufsbildungsgesetzes). An einigen Kammern werden die Noten der mündlichen Prüfung online der zuständigen Prüfungsstelle übermittelt und das Zeugnis direkt ausgefertigt, sodass es dem Prüfling ausgehändigt werden kann. Mit Bestehen der Prüfung und der Aushändigung der Niederschrift endet der Auszubildendenstatus.



Vergleichbarkeit der Leistung

Für Unternehmer, die diese Fachkräfte einstellen wollen, wäre es vorteilhaft, die Leistungen von Prüflingen, die an unterschiedlichen Kammern ihre Prüfung abgelegt haben, direkt vergleichen zu können. Dies ist jedoch nur ansatzweise möglich. Zum einen bewertet jeder Prüfungsausschuss die ihm gebotene Leistung anders, denn jeder Prüfer lässt neben den objektiven Kriterien auch sein subjektives Empfinden der Prüfungsleistung in die Bewertung mit einfließen. Dieser Effekt wird dadurch wieder etwas ausgeglichen, dass sich jeweils drei Prüfer auf eine Note einigen müssen.



Dazu kommt aber, dass in Baden-Württemberg nicht dieselbe schriftliche Abschlussprüfung geschrieben wird wie im restlichen Bundesgebiet. Und mindestens zwei Kammern in Deutschland verschenken einen Teil der mündlichen Abschlussprüfung. Hier ist es den Prüfern nur gestattet, die Dokumentation zu bewerten, nicht aber das Projekt. Für dieses werden von vornherein 100 Punkte vergeben. Eine der Begründungen hierzu ist, dass der Prüfer ja gar nicht die Unternehmensspezifika kennen kann, um eine Projektbewertung angemessen durchzuführen. Der Prüfer muss diese aber eigentlich nicht kennen, um zu bewerten, ob der Prüfling ordentlich projektiert und fachlich fundiert gearbeitet hat.



Da Projekt, Dokumentation, Präsentation und Fachgespräch bei der mündlichen Prüfung gleich gewichtet werden, bekommen Prüfungskandidaten, die ihre Prüfung an diesen Kammern ablegen, 25 Prozent ihrer Note geschenkt. Bestrebungen, diesen Missstand zu ändern, gibt es zwar, doch die bürokratischen Mühlen mahlen sehr langsam.



Fazit

Für eine erfolgreiche mündliche Prüfung braucht ein Prüfling Eigenverantwortung, Fachwissen und die Bereitschaft, ein wenig mehr zu tun als sonst üblich - und die optimale Unterstützung des ausbildenden Unternehmens. Gerade jetzt, wo Arbeitsplätze für Berufsanfänger im IT-Bereich zum knappen Gut geworden sind und die Notenverteilung der schriftlichen Abschlussprüfung nicht der gaußschen Normalverteilung entspricht, ist es wichtig, eine gute oder sehr gute mündliche Prüfung abzulegen. Denn nur so ist es für die meisten möglich, eine befriedigende oder sogar gute bis sehr gute Gesamtnote zu erreichen. Sicherlich gehört dazu auch ein wenig Glück. (anm)

Quelle:http://www.heise.de/ct/03/16/050/lang.shtml



Der Autor prüft seit mehreren Jahren im Auftrag der IHK für München und Oberbayern Auszubildende der IT-Berufe, führt im Auftrag seines Unternehmens , der SIGNUM IT, deutschlandweit Seminare speziell für die Prüfungsvorbereitung in den IT-Berufen durch und hat dadurch Einblick in die Prüfungsabläufe unterschiedlicher Kammern.

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